Praxis für Krankengymnastik Simone Magerl-Strippoli und Renate Mende Praxis für Krankengymnastik
Simone Magerl-Strippoli und Renate Mende

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Gesundheitsnachrichten

Trainieren, um Demenz vorzubeugen
Trainieren, um Demenz vorzubeugen

Bewegung und mentales Training können einer Demenz vorbeugen.

Bewegung und mentales Training können einer Demenz vorbeugen. Besonders wirksam ist das Training, wenn Körper und Geist gleichzeitig angesprochen werden. Zu diesem Ergebnis kommen Forschende aus Bochum und Duisburg, die die Effekte von einem kombinierten und einem separaten mentalen und physischen Training bei Menschen mit Mild Cognitive Impairment, einem möglichen Frühstadium der Demenz, verglichen.

Das Team um Vanessa Lissek und Prof. Dr. Boris Suchan aus der Arbeitsgruppe Klinische Neuropsychologie der Ruhr-Universität Bochum beschreibt die Ergebnisse gemeinsam mit Kollegen des Berufsgenossenschaftlichen Klinikums Duisburg im Journal of Alzheimer Disease, online veröffentlicht am 13. September 2022.

Im Projekt „go4cognition“ untersuchten die Forschenden 39 Menschen zwischen 65 und 85 Jahren mit Mild Cognitive Impairment. „Dabei handelt es sich um eine Art Zwischenzustand“, erklärt Boris Suchan. „Die Menschen sind bei ihren alltäglichen Aktivitäten nicht eingeschränkt, aber können im weiteren Verlauf eine Demenz entwickeln.“ In Tests zeigen sich bei ihnen gewisse kognitive Veränderungen. Das Team diagnostizierte das Mild Cognitive Impairment mit dem sogenannten CERAD-Test und zusätzlichen neuropsychologischen Standardtests, die Funktionen wie Gedächtnis, exekutive Funktionen, Aufmerksamkeit und Konzentration erfassen. Außerdem erhoben die Forschenden motorische Funktionen wie Kraft in den Händen und Gleichgewicht.

Zwei Arten von Training

Anschließend teilten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Teilnehmenden in zwei Gruppen ein: Eine Gruppe von 24 Personen trainierte in der Berufsgenossenschaftlichen Klinik Duisburg gleichzeitig Körper und Geist mit dem sogenannten SpeedCourt-System. Es handelt sich um ein 5,5 mal 5,5 Meter großes Mattensystem, das mit Sensoren bestückt ist. Die Teilnehmenden mussten die Matten in einer zuvor präsentierten Reihenfolge möglichst schnell ablaufen. Die restlichen 15 Personen trainierten Körper und Geist separat voneinander in der Senioreneinrichtung Gute Hoffnung in Oberhausen. Sie absolvierten das Fitfür100-Programm, ein physisches Training mit Gleichgewichtsübungen, das auch die Muskulatur stärkt. In den Pausen wurden die kognitiven Funktionen durch Spiele angeregt. Beide Trainings dauerten sechs Wochen. Unmittelbar nach diesem Zeitraum sowie drei Monate später absolvierten die Teilnehmenden erneut die gleichen kognitiven und motorischen Tests wie zu Beginn der Studie.

Beide Trainings wirksam

Eine statistische Analyse zeigte: Beide Interventionen waren gleich wirksam gegen die Defizite, die vor dem Training in kognitiven Tests sichtbar gewesen waren. Etwa die Hälfte der Teilnehmenden verbesserte ihre kognitive Leistung durch das Training so weit, dass die Diagnose Mild Cognitive Impairment nach dem Training nicht mehr auf sie zutraf. Diese positiven Effekte waren auch in den Tests drei Monate nach der Intervention noch vorhanden, obwohl die Probandinnen und Probanden in dieser Zeit kein weiteres Training erhalten hatten.

Außerdem erzielten die Teilnehmenden nach dem Training bessere Ergebnisse bei den körperlichen Parametern Handkraft und Gleichgewicht.


Handschrift und Schreibkompetenz sichern Zukunft von Kindern
Handschrift und Schreibkompetenz sichern Zukunft von Kindern

Handschrift und Schreibkompetenz sichern Zukunft von Kindern

Die Schreibkompetenz von Kindern verschlechtert sich seit einigen Jahren zunehmend, wie eine Studie des Schreibmotorik-Instituts in Heroldsberg und dem Verband für Bildung und Erziehung belegt. „Das Thema ist vielschichtig“, sagt Susanne Salata. Die Ergotherapeutin im DVE (Deutscher Verband Ergotherapie e.V.) arbeitet innerhalb eines deutsch-französisch-luxemburgischen Projekts an einem Programm mit, das Schulen als Schreibmotorik-Schule zertifiziert. Vier Pilot-Schulen gehen mit Beginn des neuen Schuljahrs an den Start. Ein wichtiger Schritt, um dem Dilemma aus fehlender Routine im Handschreiben und Schwierigkeiten in der Schreibmotorik etwas entgegenzusetzen.

Die Antworten von mehr als 2.000 in einer Studie befragten Lehrer:innen verdeutlichen die Realität in deutschen Klassenzimmern: Das pädagogische Personal hat sich zunehmend mit schreibmotorischen Problemen seiner Schüler:innen auseinanderzusetzen, so das Fazit der online durchgeführten Untersuchung. Die im Rahmen der Studie genannten Gründe hierfür sind unter anderem mangelnde Kompetenzen in der Motorik und Koordination, verringerte Konzentrationsfähigkeit oder der häufigere Umgang mit digitalen Medien. Dazu die Expertin Salata: „Das kann in Summe dazu führen, dass manche Kinder zu wenig Routine im Schreiben entwickeln – ihnen fehlt schlichtweg die Übung“.

Kinder in Alltägliches einbinden, Vorläuferfertigkeiten für Handschreiben fördern Schreiben – und zwar mit der Hand – hat mehr Auswirkungen als allgemeinhin bekannt ist. Handschreiben ist bereits Teil des Lernens, beeinflusst die Qualität von Lesen, Rechtschreibung und Textverständnis. Wie gut ein Kind mit der Hand schreiben kann, hat maßgeblichen Einfluss auf seine kognitive Entwicklung. Alles zusammen wirkt sich auf den schulischen Erfolg aus. Die Vorläuferfertigkeiten für das Handschreiben – insbesondere die motorischen Fähigkeiten – erlangen und verbessern Kinder, indem sie beispielsweise malen, basteln, handarbeiten, musizieren oder handwerken. Sämtliche Aktivitäten, bei denen Kinder sich bewegen oder die Hände benutzen, spielen eine Rolle. Eltern, die ihre Kinder hier fördern möchten, rät die Ergotherapeutin, den Nachwuchs zusätzlich schon früh in Alltägliches einzubeziehen. Etwa beim Essenzubereiten helfen lassen: Obst und Gemüse schneiden, Gebäck herstellen und Teig kneten. Auch draußen in der Natur oder im Garten finden sich viele Möglichkeiten wie in Sand oder Erde buddeln und bauen – es taugt alles, bei dem die Kinder sich und vor allem ihre Finger bewegen, unterschiedliche Materialien spüren und bearbeiten und so die Sinne und die Wahrnehmung des eigenen Körpers stärken, ein Körpergefühl entwickeln und ganz nebenbei die Motorik trainieren. Spielerisch, versteht sich.

Länderübergreifendes Projekt für bessere Handschrift und Schreibkompetenz Nicht nur deutsche Schulen sind in der Bredouille. Dieselben Schwierigkeiten existieren auch bei europäischen Nachbarn: Im Rahmen eines Erasmus+ Projekts arbeitet ein multiprofessionelles Team aus Deutschland, Frankreich und Luxemburg am Thema ‚Handschrift und Schreibkompetenz‘. „Wir konzentrieren uns in diesem Programm darauf, das Üben von Vorläuferfertigkeiten sowie der Schreibmotorik in allen Unterrichtsfächern der Grundschule zu berücksichtigen, erarbeiten entsprechende Trainingsprogramme und Aufgaben“, erklärt die Ergotherapeutin Salata. Das Lernmaterial gibt es in Form von Übungskarten für die Unterrichtsfächer Deutsch, Mathematik, Sport, Musik, Werken und Gestalten. Unabhängig vom Unterrichtsfach haben die Übungen immer die Schwerpunkte: ‚Stabile und dynamische Körperhaltung‘, ‚Ergonomisch günstige Stifthaltung und Führung‘ und in Deutsch und Mathematik ‚Leserliches und flüssiges Schreiben‘ Die einzelnen Übungen sind jeweils fächerspezifisch und orientieren sich an den Kompetenzerwartungen des Lehrplans. Im begleitenden Online-Kurs erlangen die Lehrer:innen der Schulen, welche das Programm einsetzen, fundierte Kenntnisse zu den zugrundeliegenden theoretischen Methoden und Konzepten. Das ist gut so, denn das Verständnis, weshalb und mit welchen Zielsetzungen die Kolleg:innen die Übungen so gestaltet haben, sensibilisiert und erhöht die Akzeptanz. Weitere Arbeitshilfen sind unter anderem ein Screeningverfahren zu Handschreiben und Schreibmotorik für die Lehrer:innen mit Hinweisen, worauf sie bei ihren Schüler:innen im (Deutsch-)Unterricht während des Schreibens achten können. Auch für die Schüler:innen hat das Projektteam eine Arbeitshilfe entwickelt: ein kind- und altersgerechtes Lerntagebuch, das motivationsverstärkend wirkt.

Ergotherapeutische Vorgehensweisen – im europäischen Programm und in der Praxis Das Programm bezieht alle Kinder einer Klasse ein, es werden ausnahmslos alle gefördert: Diejenigen, die einen Förderbedarf haben, aber auch die Kinder, die bereits flüssig schreiben können, gehören dazu und werden wie alle anderen motiviert, ihre Fähigkeiten weiter auszuprägen. „Wenn sich Begeisterung breit macht, erfasst das alle“, so Susanne Salata, die an einem sozialpädiatrischen Zentrum und als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Schreibmotorik Institut e.V. Heroldsberg arbeitet. Als Ergotherapeutin kennt sie die große Bandbreite von Problemen, die Kinder wegen ihrer mangelnden motorischen Fähigkeiten haben können. Sie kennt aber auch viele Kniffe, wie sie diese Kinder bei ihren individuellen Interessen packen und für das Erreichen eines Ziels – wie hier das Handschreiben – gewinnen kann. „Ergotherapeut:innen schauen immer: wofür brennt das Kind, wofür besteht eine Leidenschaft – dann stellen sich die Lösungswege leichter ein“, sagt sie. Genauso motivierend und zielführend, um Kinder für das Handschreiben zu interessieren, sind Maßnahmen, wie etwa Kinder zu Expert:innen zu machen. Die Ergotherapeutin, die sich in ihrer Masterarbeit mit dem Thema Stifthaltung befasst hat, beschreibt, wie Kinder einer Grundschulklasse sich bei einer entsprechenden Aktion vor der Pilotierung des Erasmus+ Projekts verhielten. Die Lehrerin verteilte eine Vielzahl unterschiedlicher Stifte: runde, dreieckige, verschiedene Formen, Oberflächen, Längen, Dicken – der Markt bietet eine große Fülle. Die Kinder durften nach Herzenslust probieren und experimentieren. Dabei machten sie ihre jeweils eigenen Erfahrungen, fanden heraus, wie sich die Form des Schreibgeräts auf die Stifthaltung, Druck und vieles mehr auswirkt. Im Austausch und aufgrund ihrer eigenen Erfahrung bildeten sie ihre Expert:innenmeinung. Ernst genommen werden und die eigene Entscheidungsfreiheit, welcher Stift sich am besten für sie eignet, erzeugte bei den Kindern Ansporn und beflügelte sie, gerne mit der Hand zu schreiben.

Status quo und Tipps für Eltern kleiner Kinder Die Ergotherapeutin Salata zum derzeitigen Stand der Dinge: „Mit dem Start des neuen Schuljahres gibt es vier Pilot-Schulen – zwei in Bayern, eine im Elsass und eine weitere in Luxemburg“. Das Projektteam ist sehr gespannt auf die Rückmeldungen der Pilot-Schulen und verweist Eltern von Kindern, die noch nicht die Schule besuchen, auf ein Vorläuferprojekt, das sich ebenfalls mit dem Thema Handschreiben beschäftigt. Dieses hält viele praktische Tipps, Videos für Kindergärten und Grundschulen mit einer Verlinkung zu Lernvideos auch für Eltern auf YouTube bereit: https://www.hs-tutorials.eu/

Informationsmaterial zu den vielfältigen Themen der Ergotherapie gibt es bei den Ergotherapeut:innen vor Ort; Ergotherapeut:innen in Wohnortnähe auf der Homepage des Verbandes unter https://dve.info/service/therapeutensuche
Alles zum europäischen Projekt: https://schreibmotorik-schule.eu/

29.09.2022 DGA | Quelle: Deutscher Verband Ergotherapie e.V.


Elastografie an Sehnen, Muskeln und Faszien
Elastografie an Sehnen, Muskeln und Faszien

Mit Ultraschall drohenden Sehnenriss rechtzeitig erkennen

Stadtlauf, Marathon, Firmenlauf – viele Hobbysportler*innen sind wieder auf den Straßen unterwegs. Das führt gleichzeitig zu einem Anstieg von Überbelastungen und Sportverletzungen. Expert*innen der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e. V. (DEGUM) weisen darauf hin, dass die Elastografie als schonende sonografische Untersuchung zunehmend in der Sportmedizin eingesetzt wird. Die Ultraschallmethode eignet sich sehr gut, um Gewebsveränderungen in der Achilles-, der Quadrizeps- oder Patellarsehne sowie an Muskeln und Faszien zu visualisieren und ihre Funktionsfähigkeit zu beurteilen.

Die Elastografie ist ein modernes Ultraschallverfahren zur Messung von Elastizität – also Härte, Weichheit und Spannung - verschiedener Gewebestrukturen. In hochmodernen Geräten wird diese Elastizität der untersuchten Gewebe auf dem Monitor farblich sichtbar gemacht. Seit rund 15 Jahren wird die Methode zur Diagnose von Schilddrüsen-, Brust- oder Leberkrebs genutzt, da Tumorgewebe häufig härter und fester ist als gesundes Gewebe. Seit einigen Jahren wird vor allem die sogenannte Scherwellen-Elastografie zunehmend in der Sportmedizin eingesetzt. Aber auch die Strain-Elastografie mit Q-Analyse ist bei entsprechender Erfahrung zuverlässig genug. Sie eignet sich insbesondere zur Untersuchung von Sehnen und Muskeln. „Wie belastbar ist eine veränderte, schmerzhafte Achillessehne? Wie schlimm ist eine Muskelverletzung beim Sportler? Das sind Fragen, die wir mithilfe der Elastografie beantworten können“, sagt DEGUM-Experte Dr. med. Rainer Berthold, Orthopäde aus Wetzlar.

Vor allem bei Erkrankungen der Achillessehne, die durch Verschleiß infolge sportlicher Überbelastung oder durch Rheuma entstehen können, eignet sich die Elastografie besonders gut. „Um die weitere Therapie richtig zu planen, ist es wichtig zu wissen, wie belastbar eine Sehne ist und ob eine Ruptur droht“, erklärt Berthold. Standardmäßig beurteilen Mediziner*innen solche Schädigungen durch Tastbefund, konventionellen Ultraschall oder MRT. Nach den EFSUMB-Guidelines (European Federation of Societies for Ultrasound in Medicine and Biology) wird die Elastografie als zusätzliche Untersuchung empfohlen, um die Zuverlässigkeit in der Diagnose einer überlasteten Achillessehne zu erhöhen. „Mit der Elastografie können durch die höhere Sensitivität pathologische Prozesse entdeckt werden, die sonst verborgen blieben“, so Berthold. Danach entscheidet der Orthopäde, wie die weitere Behandlung aussieht: Ruhigstellung, Sportverbot, konservative Behandlung, Ultraschall-Therapie, HE-Induktionstherapie bis hin zur Stoßwellen-Therapie. Darüber hinaus kann die Methode für die Beurteilung der Quadrizeps- oder Patellarsehne am Knie sowie bei Muskelpathologien wie Zerrungen oder Muskelfaserrissen eingesetzt werden. Bei Patientinnen und Patienten, die am chronischen Schmerzsyndrom leiden, können unter anderem organisierte Muskelverspannungen, sogenannte Myogelosen und auch Triggerpunkte identifiziert und gezielt behandelt werden. „Wir nutzen die Elastografie außerdem für die Verlaufskontrolle einer Behandlung“, sagt Berthold.

Damit ergänzt die schonende und strahlungsfreie Elastografie die bisherigen konventionellen Ultraschalluntersuchungen am muskuloskelettalen System um eine weitere Facette: „Nur damit lassen sich aktuell Aussagen über die Belastbarkeit und Festigkeit von Muskeln, Sehnen oder Faszien treffen ohne invasiv zu werden“, betont Berthold. Elastografie wird in der Sportmedizin vermehrt eingesetzt, bleibt aber mit 40 bis 90 Euro eine Selbstzahlerleistung.